Schon seit ein paar Tagen stand ich hier im Regal. So sauber und frisch, ordentlich verpackt für meinen großen Tag. Wann würde dieser kommen, wie würde mein Leben danach aussehen? Wäre es glorreich, ruhmvoll, vielleicht sogar majestätisch? Wäre ich der Retter in der Not für einen einsamen Singlemann, welcher nach Jahren der Abstinenz endlich wieder in den Genuss eines Frauenbesuches käme? Fragen über Fragen!
Diese Anspannung ließ sich kaum aushalten und ich war doch so schlecht darin, mich in Geduld zu üben. Auch meine „Kollegen“ waren nicht die Gesprächigsten. Meine Euphorie verstanden sie erst recht nicht. Ich selbst war jedoch ein absoluter Optimist. Alles was ich in Zukunft erleben sollte, hatte einen Grund und dieser Grund hatte auch einen Sinn, da war ich mir sicher!
Irgendwann war er dann wirklich gekommen. Mein großer Tag.
Ein Mann mittleren Alters packte mich in seinen Einkaufswagen. Ich hätte vor Glück schreien können! Er legte mich aufs Band, bezahlte mich, verstaute mich im Auto. Nun gab es kein Zurück mehr! Während der Fahrt zu meinem neuen Zuhause, malte ich mir bereits aus wie wohl „mein“ Zimmer aussehen würde. Groß wäre schön, vielleicht etwas Farbe.
Zuhause angekommen räumte man mich aus. Nachdem man den Rest der Einkäufe verstaut hatte, entledigte man mich meiner Plastikkleidung und brachte mich ENDLICH in mein Einsatzgebiet.
Es war so schön! Schöner hätte ich es mir nicht träumen lassen. Strahlend weiß mit blauen Ornamenten, welche die Blicke nur so auf sich zogen. Groß genug für Badewanne, Dusche und zwei Waschbecken!
Ich nahm meinen Platz neben der Toilette ein und begann mich mental auf meinen ersten Einsatz einzustimmen.
„Du schaffst das!“, flüsterte ich mir leise zu, „nur keine Sorge, darauf hast du dich dein Leben lang vorbereitet!“
Hätte ich gewusst wie man sich mit zu viel Koffein im Blut fühlt, hätte ich es sicher genau so beschrieben! Vermutlich war es aber nur das Adrenalin.
Immer, wenn ich hoffte das es soweit war, stellte es sich als Fehlalarm heraus und somit blieb mir nur das Warten… und warten und warten. Ich war schon fast eingeschlafen als plötzlich das Licht anging und der Mann, welcher sich im Supermarkt für mich entschied, sich bereits mit heruntergelassener Hose der Toilette näherte.
Das war mein Auftritt, ich konnte es förmlich riechen!
Nach Vollendung seines Meisterwerks stand er auf, zog seine Hose hoch, drückte auf die Spülung und war in Begriff zu gehen.
„Hey du Ferkel! Was wird das? Benutz mich!“, rief ich ihm nach.
Doch ohne mich zu hören oder sich wenigstens die Hände zu waschen, verschwand er in die Nacht.
Am nächsten Tag wurde mir dann das Glück zu Teil endlich Bekanntschaft mit der Dame des Hauses zu schließen. Sie kam, sah in die Toilette, entdeckte die letzten Spuren des Kampfes welcher die Nacht zuvor gewütet hatte und schrie angewidert auf. Nachdem sie erfolglos versuchte den Übeltäter zu enttarnen, welcher jedoch jede Schuld von sich wies, machte sie sich mit meiner Hilfe selbst an die Arbeit.
Ein scheiß‘ schwerer Job, sage ich euch! Wenigstens konnte ich so zeigen was wirklich in mir steckte.
So vergingen die Wochen. Mal benutzte man mich, mal wieder nicht, doch sah man mir schon einige Spuren der harten Arbeit an.
Eines schönen Tages näherte sich der Sprössling der Familie und steuerte geradewegs auf mich zu. Er nahm mich aus meinem Behälter und rannte zu seiner Mutter.
„Guck mal!“, rief er ihr zu und hielt mich mittlerweile dicht vor sein Gesicht.
Lauthals begann er „Alle Vögel sind schon da“ zu singen, wobei ich als Mikrofon fungierte. Seine Mutter, welche zunächst gar nicht bemerkte was er da eigentlich tat und vor allem mit wem, lobte ihn erst mal nur für seine tollen Gesangskünste. Nachdem ihr dann aber doch auffiel wer da einen neuen Platz als Mikrofon eingenommen hatte, wurde sie ziemlich schnell. Ich hätte wetten können das sie einen neuen Weltrekord aufstellte!
Sie riss mich ihrem Sohn aus den Händen und sprach etwas von „Wäsche“. Eine Wäsche hätte mir sicher gutgetan, doch was tat sie? Sie ging auf die Spülmaschine zu!
„Nein! Nicht die Spülmaschine! Das ist doch ek-“ zu spät.
Ich begrüßte meine neuen Freunde, welche mich auf dieser Reise begleiten sollten. Es war das Geschirr.
Obwohl ich mich nach dem Durchgang wirklich besser und sauberer fühlte, wurde es mit der Zeit immer schwerer meinen Optimismus beizubehalten. Tag ein Tag aus sah ich nur noch das Selbe und das war wirklich kacke!
Mir fehlte einfach die Abwechslung. Niemand benutze mich mehr als Mikrofon, auch die Spülmaschinen-Durchgänge blieben aus. Nicht mal als Schwert in einem Kampf durfte man mich benutzen!
Die Zeit veränderte mich. Ich wurde nicht nur älter, nein, auch die Spuren der letzten Kriege und ausgetragenen Kämpfe wurden immer mehr. Trotzdem wollte ich nicht aufgeben und meine Aufgabe bis zum letzten Tag erfüllen!
Einige Monate später wurde ich entlassen und konnte in den verdienten Ruhestand gehen.
Mit Tränen in den Augen verabschiedete ich mich von meinen Badezimmer-Kollegen. Ganz besonders von der Toilette, die mir jeder Zeit beistand. Was sie so leisten musste… Dafür hatte sie meinen vollen Respekt verdient.
Man brachte mich zu der Mülltonne, welche nun mein neues Zuhause sein sollte. Abgelegt fiel mir ein Stein vom Herzen. Mir war bewusst was ich geleistet hatte und sind wir mal ehrlich, inzwischen war ich einfach zu alt für diesen Scheiß!

Verglichen mit früher haben wir in der Medizin doch schon einige Fortschritte gemacht, auch wenn wir noch lange nicht am Ende sind. Vieles lässt sich diagnostizieren und mit einem Namen versehen. Davon wiederum ist vieles therapierbar und wenn nicht heilbar, dann zumindest einzudämmen. Natürlich gibt es verschiedene Therapieansätze und Möglichkeiten die aber auch von der Art der Erkrankung/en abhängt, weswegen es auch etwas dauern könnte die Richtige zu finden.
Man könnte es mit Medikamenten probieren, körperliche Verausgabung oder mit Hilfe einer Couch inmitten eines schönen Büros. Sollte diese Couch jedoch aus schwarzem Kunstleder bestehen und das schöne Büro eher spärlich eingerichtet sein… Dann würde ich lieber davon abraten und empfehlen noch einmal neu über den Besitzer zu recherieren.
Kommen wir aber mal langsam zum Punkt.

„Einmal zum Mitnehmen, bitte!“
– Was denn überhaupt?
Das liegt ganz in Ihrer Hand. Doch beschäftigen wollte ich mich heute mit ein paar wenigen Upgrades für die eigene Psyche.
Psychische Erkrankungen liegen momentan sehr im Trend. Niemand möchte hinterherhinken, niemand möchte ausgegrenzt werden, niemand möchte einem Trend nachjagen, wenn das Mitlaufen doch eigentlich so einfach war.
Und bitte… Wer möchte schon „nur“ unter einer popeligen Depression leiden?
Wie bereits im oberen Absatz erwähnt, gibt es zur heutigen Zeit vieles was sich benennen lässt und somit eine große Auswahl. Alle zu erwähnen und aufzuzählen würde jedoch Ewigkeiten dauern, also suchen wir uns einfach ein paar schöne heraus.
Je nach Bedarf fällt die Auswahl wie immer etwas anders aus. Empfehlen könnte man aber z.B. eine doch schon ausgeprägte Borderline-Störung. Mit ihr kann man eigentlich nichts falsch machen. Sie hält sich schon lange in den Trends. – Wer also gerne mal ein bisschen Abwechslung möchte und auf Spontanität steht wird sehr gut damit fahren! Sie werden so wandelbar wie nie zuvor sein. Gerade noch glücklich? Kein Problem! Nur einen Moment Geduld und es wird sich ändern.
Wem das nicht reicht, wer es aufpäppeln möchte und auch sonst sein Fleisch eher blutig mag, könnte es mit dem SVV als Symptomatik-Upgrade aufpolieren.
Ebenfalls schon länger im Trend und gerade bei (jungen) Mädchen nicht unbeliebt: Die bulimische Essstörung. Gerne auch mal frei nach dem Motto – „Erst klotzen, dann kotzen“.
Denke ich aber mal an mein eigenes Umfeld, fällt mir ein wie oft ich gesagt bekomme das man einsam sei. Zugegeben: Ich bin fühle mich auch gerne so, obwohl ich doch eigentlich eher der Einzelgänger-Typ bin und immer war. Nun gut.
Die Gründe für eine solche Einsamkeit sind natürlich ganz verschieden.
Vielleicht ist man schüchtern, besitzt keine Kompromissbereitschaft, stellt Ansprüche welche man selbst nicht erfüllt, … Möglicherweise wird man aussortiert, weil man sich die erhöhten Preise vieler Lokale nicht mehr leisten kann und einfach wegfällt. Andere wiederum haben bereits eine Sozialphobie erworben und können nicht anders. Das nur mal als Beispiel.
Im ersten Moment würden mir ein paar, vielleicht passende Erkrankungen gegen eben diese Einsamkeit in den Sinn kommen.
Möchte man einfach mal die Zügel aus der Hand legen, ein wenig abschalten und jemand anderen für sich bestimmen lassen, OHNE gleich ein Koma verursachen zu müssen? Dann wäre eine DIS/MPS vielleicht eine gute Wahl. „Sharing & Caring“ – Wenn andere Share-Modelle auch funktionieren, warum dann nicht auch eines für den eigenen Körper? Man hat vielleicht nicht den gewünschten Kontakt zueinander, aber es bleibt die Gewissheit das immer jemand an seiner Seite ist.
Wie wäre es mit einer schizo-affektiven Störung?
Oh. Nein. Moment…
Meines Wissens nach darf man diese gar nicht mehr diagnostizieren. Vergessen wir das also und wenden uns lieber den anderen zu.
Man könnte sich z.B. auch für eine Paranoia (Hihihi, merkste selbst?) entscheiden.
Sich einfach mal wichtig fühlen, die Blicke auf sich spüren und ab Verlassen der Wohnung das Gesprächsthema Nr. 1 sein! Unbekannte Stimmen und ihre Ansichten hören, vielleicht ein paar neue Geräusche? Ab und an mit jemandem reden, der physisch nicht einmal anwesend ist. Je nach Auslage ist das eine mehr, das andere weniger vertreten.
Wird einem das zu viel, bleibt immer noch der Versuch sich mit dem Gedanken daran zu beruhigen, dass es nichts als Einbildung ist. Tief im Inneren wäre es einem immer noch bewusst.
Das ist vermutlich auch der ausschlaggebende Punkt, durch welchen sich eine Paranoia von einer Schizophrenie unterscheidet. Zumindest habe ich es mir so sagen lassen.
Anders als noch von vielen geglaubt hat die Schizophrenie nicht viel mit einer multiplen Persönlichkeit zu tun. Dafür gibt es, wie bereits erwähnt, die DIS/MPS.
Wem die Paranoia nicht ausreicht und wer sich an den Gedanken stört immer noch zu wissen das man eigentlich nach wie vor noch einsam ist, der wertet sie lieber zur Schizophrenie auf.
Es würde zwar einige Zeit zur Eingewöhnung brauchen und der Versuch nicht durchzudrehen, welcher fehlschläge, wäre auch etwas zermürbend, aber was macht das schon!
Nicht nur, dass jeder Gegenstand und jede Halluzination zu einem waschechten Gesprächspartner werden kann, nein, sie kann auch behilflich sein, wenn es darum geht den Erstkontakt zu unseren Mitmenschen herzustellen.
Feste Überzeugung sorgt dafür, das einen fast nichts daran hindert.
Es ist vielleicht nicht die beste Entscheidung ins Gespräch zukommen indem man jemanden mit Vorwürfen und Fragen danach bombardiert, warum er einen verfolge oder über einen sprach. Trotzdem bleibt ein Gespräch ein Gespräch und wer weiß: Vielleicht entwickelte sich daraus eine Freundschaft, nachdem sich die Verwirrung und Angst gelegt hatte. Vielleicht traf man sich mal wieder/öfter, auch wenn es nur vor Gericht war.

Selbst wenn keiner dieser Vorschläge der passende für Sie wäre, würde sich etwas anderes finden lassen.
Für die, die sich jedoch gerne von anderen abheben, empfehle ich am liebsten die mittlerweile doch eher seltene Glückseligkeit.

Wer sich nun angegriffen fühlt und/oder denkt ich sei ein Unmensch, weil ich mich über so etwas ernstes lustig mache, dem kann ich nur sagen:
HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH – Ja, vermutlich bin ich ein Unmensch, doch du hast den Sinn nicht verstanden.