Das Leben ist ein Spiel, das der höchsten Stufe. Doch anders als in vielen, hast du hier nicht mehrere Versuche.
Das Ende ist zwar klar, doch die Story ist nie gleich und wie sie sich entwickelt, kommt darauf an was du erreichst.
Du skillst ständig von Neuem und versuchst zu überleben, doch den Endboss zu besiegen ist dein einziges Bestreben.
Deine Mitmenschen sind  Trash. So nennt man es im Spiel. Doch egal ob hier oder dort, es nimmt sich nicht mehr viel.
Und wer hätte es gedacht? Vor dem Boss stehst du allein! Ein Abbild deiner Selbst, wie sollt‘ es anders sein?
Verzweifelt drückst du deine Rota und das stundenlang. Doch der Schaden, den du machst, kommt bei dem Endboss gar nicht an!
Das Ende ist eine Frage, also eigentlich nicht schwer; Wäre die Antwort leicht und nicht so verflucht unfair.
Der Kampf, er dauert Stunden und es gibt hier kein Zurück. Vielleicht schließt du die Augen und versuchst einfach dein Glück?
Doch sieh zuvor nach oben und mach dir eines klar; Wenn du diese Chance vermasselst, dann war es das mit deinem Char.
Am Schluss, da stirbst du doch und das ist unvermeidbar. Die Entwickler waren schlecht – ist viel zu kurz, dieser scheiß‘ Enragetimer!

Schon seit ein paar Tagen stand ich hier im Regal. So sauber und frisch, ordentlich verpackt für meinen großen Tag. Wann würde dieser kommen, wie würde mein Leben danach aussehen? Wäre es glorreich, ruhmvoll, vielleicht sogar majestätisch? Wäre ich der Retter in der Not für einen einsamen Singlemann, welcher nach Jahren der Abstinenz endlich wieder in den Genuss eines Frauenbesuches käme? Fragen über Fragen!
Diese Anspannung ließ sich kaum aushalten und ich war doch so schlecht darin, mich in Geduld zu üben. Auch meine „Kollegen“ waren nicht die Gesprächigsten. Meine Euphorie verstanden sie erst recht nicht. Ich selbst war jedoch ein absoluter Optimist. Alles was ich in Zukunft erleben sollte, hatte einen Grund und dieser Grund hatte auch einen Sinn, da war ich mir sicher!
Irgendwann war er dann wirklich gekommen. Mein großer Tag.
Ein Mann mittleren Alters packte mich in seinen Einkaufswagen. Ich hätte vor Glück schreien können! Er legte mich aufs Band, bezahlte mich, verstaute mich im Auto. Nun gab es kein Zurück mehr! Während der Fahrt zu meinem neuen Zuhause, malte ich mir bereits aus wie wohl „mein“ Zimmer aussehen würde. Groß wäre schön, vielleicht etwas Farbe.
Zuhause angekommen räumte man mich aus. Nachdem man den Rest der Einkäufe verstaut hatte, entledigte man mich meiner Plastikkleidung und brachte mich ENDLICH in mein Einsatzgebiet.
Es war so schön! Schöner hätte ich es mir nicht träumen lassen. Strahlend weiß mit blauen Ornamenten, welche die Blicke nur so auf sich zogen. Groß genug für Badewanne, Dusche und zwei Waschbecken!
Ich nahm meinen Platz neben der Toilette ein und begann mich mental auf meinen ersten Einsatz einzustimmen.
„Du schaffst das!“, flüsterte ich mir leise zu, „nur keine Sorge, darauf hast du dich dein Leben lang vorbereitet!“
Hätte ich gewusst wie man sich mit zu viel Koffein im Blut fühlt, hätte ich es sicher genau so beschrieben! Vermutlich war es aber nur das Adrenalin.
Immer, wenn ich hoffte das es soweit war, stellte es sich als Fehlalarm heraus und somit blieb mir nur das Warten… und warten und warten. Ich war schon fast eingeschlafen als plötzlich das Licht anging und der Mann, welcher sich im Supermarkt für mich entschied, sich bereits mit heruntergelassener Hose der Toilette näherte.
Das war mein Auftritt, ich konnte es förmlich riechen!
Nach Vollendung seines Meisterwerks stand er auf, zog seine Hose hoch, drückte auf die Spülung und war in Begriff zu gehen.
„Hey du Ferkel! Was wird das? Benutz mich!“, rief ich ihm nach.
Doch ohne mich zu hören oder sich wenigstens die Hände zu waschen, verschwand er in die Nacht.
Am nächsten Tag wurde mir dann das Glück zu Teil endlich Bekanntschaft mit der Dame des Hauses zu schließen. Sie kam, sah in die Toilette, entdeckte die letzten Spuren des Kampfes welcher die Nacht zuvor gewütet hatte und schrie angewidert auf. Nachdem sie erfolglos versuchte den Übeltäter zu enttarnen, welcher jedoch jede Schuld von sich wies, machte sie sich mit meiner Hilfe selbst an die Arbeit.
Ein scheiß‘ schwerer Job, sage ich euch! Wenigstens konnte ich so zeigen was wirklich in mir steckte.
So vergingen die Wochen. Mal benutzte man mich, mal wieder nicht, doch sah man mir schon einige Spuren der harten Arbeit an.
Eines schönen Tages näherte sich der Sprössling der Familie und steuerte geradewegs auf mich zu. Er nahm mich aus meinem Behälter und rannte zu seiner Mutter.
„Guck mal!“, rief er ihr zu und hielt mich mittlerweile dicht vor sein Gesicht.
Lauthals begann er „Alle Vögel sind schon da“ zu singen, wobei ich als Mikrofon fungierte. Seine Mutter, welche zunächst gar nicht bemerkte was er da eigentlich tat und vor allem mit wem, lobte ihn erst mal nur für seine tollen Gesangskünste. Nachdem ihr dann aber doch auffiel wer da einen neuen Platz als Mikrofon eingenommen hatte, wurde sie ziemlich schnell. Ich hätte wetten können das sie einen neuen Weltrekord aufstellte!
Sie riss mich ihrem Sohn aus den Händen und sprach etwas von „Wäsche“. Eine Wäsche hätte mir sicher gutgetan, doch was tat sie? Sie ging auf die Spülmaschine zu!
„Nein! Nicht die Spülmaschine! Das ist doch ek-“ zu spät.
Ich begrüßte meine neuen Freunde, welche mich auf dieser Reise begleiten sollten. Es war das Geschirr.
Obwohl ich mich nach dem Durchgang wirklich besser und sauberer fühlte, wurde es mit der Zeit immer schwerer meinen Optimismus beizubehalten. Tag ein Tag aus sah ich nur noch das Selbe und das war wirklich kacke!
Mir fehlte einfach die Abwechslung. Niemand benutze mich mehr als Mikrofon, auch die Spülmaschinen-Durchgänge blieben aus. Nicht mal als Schwert in einem Kampf durfte man mich benutzen!
Die Zeit veränderte mich. Ich wurde nicht nur älter, nein, auch die Spuren der letzten Kriege und ausgetragenen Kämpfe wurden immer mehr. Trotzdem wollte ich nicht aufgeben und meine Aufgabe bis zum letzten Tag erfüllen!
Einige Monate später wurde ich entlassen und konnte in den verdienten Ruhestand gehen.
Mit Tränen in den Augen verabschiedete ich mich von meinen Badezimmer-Kollegen. Ganz besonders von der Toilette, die mir jeder Zeit beistand. Was sie so leisten musste… Dafür hatte sie meinen vollen Respekt verdient.
Man brachte mich zu der Mülltonne, welche nun mein neues Zuhause sein sollte. Abgelegt fiel mir ein Stein vom Herzen. Mir war bewusst was ich geleistet hatte und sind wir mal ehrlich, inzwischen war ich einfach zu alt für diesen Scheiß!